Die „Salzburger Initiative Allgemeinmedizin“ (SIA), gegründet im Jahre 2012, startete mit einem Pilotprojekt, um die Ausbildung für AllgemeinmedizinerInnen in Salzburg zu fördern und der Nachwuchsproblematik entgegenzuwirken. Schon damals wurde das Problem der Nachbesetzung erkannt und nach einer konstruktiven Lösung gesucht. Als Vorreiter boten SAGAM (Salzburger Gesellschaft für Allgemeinmedizin) und der Lehrstuhl für Allgemein- und Familienmedizin der PMU unter Finanzierung durch Land und GKK Salzburg ein Drei-Säulen-Projekt – Seminare, Mentoring und Lehrpraxis – begleitend zur regulären Ausbildung an. Mit der neuen Ärzteausbildungsordnung 2015 und der darin festgeschriebenen verpflichtenden Lehrpraxis endete nun dieses Projekt. Durch den Willen aller Beteiligten zu einer Fortsetzung des in Salzburg eingeschlagenen Weges ist es nun gelungen, das Mentoring-Programm und die Begleitseminare zusätzlich zur Lehrpraxis weiterzuführen.
„Mit dem Mentoring-Programm bringen wir die Auszubildenden bereits zu Beginn der Spitalsausbildung mit einer erfahrenen Lehrärztin oder Lehrarzt in Kontakt, zu dem sie am Ende ihrer Ausbildungszeit dann auch in die Lehrpraxis gehen“, erklärt Dr. Florian Connert, Präsident der SAGAM. „Das Lernen am Vorbild in einer 1:1-Situation ist ein sehr wertvolles Instrument.“
Die beigefügte Grafik zeigt, dass österreichweit das Bundesland Salzburg den jüngsten Altersdurchschnitt mit 50,9 Jahren bei Kassen-HausärztInnen aufweisen kann (Stand erstes Quartal 2018). Dies sieht Dr. Christoph Fürthauer, Allgemeinmediziner und erster Kurienobmann-Stellvertreter der niedergelassenen Ärzte, als Erfolg der Salzburger Bemühungen.
Aktuell sind in Salzburg weniger Kassenstellen für Allgemeinmedizin nachzubesetzen als in anderen Bundesländern. „Das ist auf SIA zurückzuführen. Die ersten AbsolventInnen unseres Projekts übernehmen nun Kassenstellen oder sind als Vertretungsärzte aktiv“, sagt Dr. Connert. Trotzdem dürfe man jetzt nicht nachlassen und müsse die Anstrengungen sogar noch verstärken, um den Bedarf zu decken, denn jährlich würden zukünftig 35 ÄrztInnen für Allgemeinmedizin in Salzburg benötigt.
„Dabei handelt es sich nicht nur um die Nachfolge der HausärztInnen, sondern auch um SekundarärztInnen, ArbeitsmedizinerInnen, SchulärztInnen, AmtsärztInnen, etc.“, ergänzt Dr. Fürthauer. „Die Einführung des Facharztes für Allgemeinmedizin mit einer damit einhergehenden Verlängerung der Lehrpraxis ist ein längst überfälliger Schritt. Landärztin/Landarzt ist ein wunderschöner Beruf. Im Mentoring und in der Lehrpraxis können wir den jungen KollegInnen das vorleben. Durch die neuen Zusammenarbeitsformen und die Möglichkeit der Anstellung "Arzt bei Arzt" können wir nun auch flexiblere Teilzeitlösungen in der Allgemeinmedizin anbieten.“
Dr. Johanna Dolcic, Allgemeinmedizinerin und ebenfalls im Vorstand der SAGAM und im Lehrpraxisreferat der Ärztekammer engagiert, meint: „Es ist nicht immer leicht, bei Auszubildenden den allgemeinmedizinischen Gedanken zu setzen und es stellt natürlich einen Mehraufwand dar, sich mit den MentorInnen zu treffen.“ Trotzdem wisse man die Qualität und Bemühungen zu schätzen. Deshalb ist Salzburg auch in Bezug auf NachfolgerInnen in der Allgemeinmedizin auf einem ganz guten Weg, auch wenn einige angehende AllgemeinmedizinerInnen eine andere Berufsrichtung einschlagen.
Mit dem Drei-Säulen-Projekt der SIA – wir berichteten darüber ausführlich im med.ium 04/2019 – werden, neben der gesetzlich verankerten Lehrpraxis, im Bundesland Salzburg zusätzlich ein Mentoring-Programm sowie ein einzigartiges Begleitlehrgang-Programm für TurnusärztInnen in der Basisausbildung beziehungsweise in der Fachausbildung zur/zum AllgemeinmedizinerIn angeboten. Diese zwei Standbeine ermöglichen einen weiteren praxisnahen und vertiefenden Zugang zur Allgemeinmedizin, der sich weit über die Lehrpraxis erstreckt. Zudem dient dieser als Wegbereitung für junge ÄrztInnen, denn auch das Networking und der gegenseitige Austausch kommen hier nicht zu kurz; so haben sich unter anderem Partnerschaften für Gruppenpraxen daraus entwickelt.
„Der Begleitlehrgang Allgemeinmedizin bildet eine wichtige Grundlage, um auch während der Rotation durch die verschiedenen Fachabteilungen den allgemeinmedizinischen Blickwinkel nicht zu verlieren. Auch Themen und Fragestellungen aus der hausärztlichen Versorgung, die im Krankenhaus nicht vorkommen, werden im Begleitlehrgang regelmäßig aufgegriffen und interaktiv und auch mit praktischen Übungen aufbereitet“, beschreibt Dr. Sebastian Huter, Arzt für Allgemeinmedizin, Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Allgemein-, Familienund Präventivmedizin, der dort auch Lehrgangsleiter für den Begleitlehrgang Allgemeinmedizin“ ist.
„Zusätzlich wird durch den Austausch mit erfahrenen AllgemeinmedizinerInnen und den Auszubildenden untereinander die professionelle Entwicklung gefördert und die Möglichkeit der Vernetzung geboten. Die Begleitseminare bieten damit eine fachliche Heimat während des Spitalsturnus. Im Begleitlehrgang werden insgesamt 18 verschiedene Seminartage mit allgemeinmedizinisch/hausärztlich relevanten Themen über drei Jahre wiederholt angeboten. Das Projekt ist in dieser Form bisher einzigartig in Österreich.“ (www.pmu.ac.at/allgemeinmedizin.html)
Das Angebot des Begleitlehrganges steht allen Ärztinnen und Ärzten zur Verfügung, die ab 2019 die Ausbildungsstelle zum Arzt/zur Ärztin für Allgemeinmedizin in Salzburg antreten. Da zu Beginn des Lehrganges die Anzahl gegebenenfalls noch nicht ausgefüllt sein wird, sind alle ÄrztInnen ÄAO 2015 eingeladen, die grundsätzlich Interesse an der Hausarztmedizin haben und die Ausbildung zum Arzt/zur Ärztin für Allgemeinmedizin absolvieren.
„Ausbildung Allgemeinmedizin in Salzburg“ vom Land Salzburg
„Salzburg ist mit der ,Initiative Allgemeinmedizin‘ (SIA) bei der postpromotionellen Ausbildung zur/zum AllgemeinmedizinerIn mit der Einrichtung eines Begleitlehrgang-Programms und dem hausärztlichen Mentoring- Programm österreichweit wegweisend.“
(MR Dr. Christoph Fürthauer, Referent für Allgemeinmedizin)
„Jetzt bin ich mir sicher, dass ich den Beruf der Allgemeinmedizinerin aufgreifen werde!“
Fünf Tage lang stand die Allgemeinmedizin im Vordergrund. Von Montag bis Freitag wurde auf diesen Beruf sowohl theoretisch, als auch praktisch eingegangen und dazu stehen nicht nur Vorträge mit relevanten allgemeinmedizinischen Themen, interaktive Workshops zu Herangehensweisen und Skills zur Verfügung, es besteht zudem die einmalige und besondere Möglichkeit, direkt in die Arbeitswelt durch Vor-Ort-Erfahrungen in ländliche Arztpraxen „hineinzuschnuppern“. Das alles und vieles mehr – wie beispielsweise ein umfassendes gemeinsames Rahmenprogramm – wird jungen MedizinstudentInnen ab dem vierten Semester bei der Salzburger Summer School Allgemeinmedizin ermöglicht. Hier haben sie die Gelegenheit, fernab vom Studium direkt vor Ort aus dem praxisnahen Leben und den Erfahrungen der Hausärztin/des Hausarztes nicht nur fachliche Kompetenz, sondern auch viele praktische Informationen für die zukünftige Ausbildung und das Berufsleben zu gewinnen.
Von 1. bis 6. September nahmen sieben Studierende dieses einzigartige Angebot wahr und nutzten den Austausch am Campus der Fachhochschule Kuchl mit jungen und erfahrenen Ärztinnen und Ärzten aus er Region, um sich einen Einblick in die vielfältige Tätigkeit zu schaffen. Das fachliche Programm erstreckte sich von Vorträgen über Kreuzschmerzen, Hypertonie, Notfälle in der Praxis, bis hin zu Organisation und Gründung einer Praxis, Kommunikationstraining, allgemeinen Fallbesprechungen und vielem mehr. Des Weiteren besuchten sie die SALK, um mehr über die Kinderchirurgie für die Hausarztpraxis zu erfahren. Den täglichen Arbeitsablauf und die zentralen Aufgaben einer Allgemeinmedizinerin und eines Allgemeinmediziners konnten die StudentInnen direkt in der Praxis miterleben, der auch die Teilnahme bei der Visite beinhaltete.
Über 115 TeilnehmerInnen besuchten von 18. bis 20. Oktober 2019 den Kongress der Jungen Allgemeinmedizin Österreich (JAMÖ) in Salzburg
Der Junge Allgemeinmedizin Kongress (JAM) wird seit 2015 jährlich in einer anderen österreichischen Stadt veranstaltet. Der heurige JAM19 war mit mehr als 115 TeilnehmerInnen schon im Vorfeld bis auf den letzten Platz ausgebucht. „Das zeigt, dass die Allgemeinmedizin für JungmedizinerInnen sehr wohl attraktiv ist, wenn das Angebot stimmt,“ betont der Obmann der JAMÖ, Dr. Sebastian Huter.
Aus ganz Österreich kamen ÄrztInnen in Ausbildung, aus der Praxis und Medizinstudierende zur Fortbildung zusammen. Dabei tauschten sie sich über die vielfältigen Aspekte und aktuellen Herausforderungen der Hausarztmedizin aus, wie etwa den neuen Formen der Zusammenarbeit. Ein wesentlicher Diskussionspunkt war die dringend notwendige Verbesserung der Ausbildungsqualität zukünftiger Hausärztinnen und Hausärzte. Weiters besprochen wurde die Attraktivierung der Allgemeinmedizin durch einen Facharzttitel, eine der Hauptforderungen der JAMÖ.
Genauso vielfältig wie das Fach Allgemeinmedizin war auch die Zusammenstellung des Kongressprogrammes. Es wurde eine Vielzahl an praxisorientierten Workshops und Vorträgen angeboten. So diskutierte beispielsweise die Journalistin Ingrid Brodnig mit der Kinder- und Hausärztin Dr. Anita Mang im Rahmen einer Podiumsdiskussion den Umgang mit Impfskeptizismus. Praktische Workshops zu den wichtigen Themen Point-of-care-Ultraschall oder Diabetes waren besonders nachgefragt.
In den Eröffnungsreden hob Landeshauptmann-Stellvertreter Mag. Dr. Christian Stöckl die Bedeutung der Allgemeinmedizin hervor und der Obmann der Salzburger Gebietskrankenkasse, Thom Kinberger, betonte die wichtige Zusammenarbeit zwischen ÄrztInnen und Sozialversicherung. Die Salzburger Gebietskrankenkasse setzte diese Zusammenarbeit am Kongress auch in die Tat um, indem sie sich aktiv in das Workshop-Programm einbrachte. Im weiteren Verlauf des Kongresses zeigte sich trotz eines hohen Informations- und Diskussionsbedarfs die Motivation und Begeisterung der teilnehmenden JungmedizinerInnen für die hausärztliche Tätigkeit.