Salzburgmed.net – Gesundheitsnetzwerk Wallersee ist ein Zusammenschluss niedergelassener AllgemeinmedizinerInnen und FachärztInnen in der Region Wallersee (Straßwalchen, Köstendorf, Neumarkt, Henndorf, Seekirchen) in Form eines gemeinnützigen Vereins mit dem Ziel, die Primärversorgung in dieser Region zu stärken und weiterzuentwickeln. Derzeit zählt der Verein 31 Mitglieder, sieben von ihnen bilden den Vorstand (Funktionsperiode 3 Jahre). Neben regelmäßigen Netzwerktreffen findet jährlich eine Generalversammlung statt.
Prinzipiell können alle niedergelassene AllgemeinmedizinerInnen und FachärztInnen (mit und ohne Kassenvertrag) mit Ordinationssitz in der Region teilnehmen, wenn sie bereit sind, bestimmte Anforderungen zu erfüllen.
Vereinsobmann Dr. Connert sieht ein zentrales Element der Primärversorgung in der Wohnortnähe: „Deshalb machen Primärversorgungszentren im ländlichen Raum keinen Sinn, Netzwerke sind hier die Lösung. Das Primärversorgungsgesetz gibt prinzipiell zwar auch Netzwerken die Möglichkeit, eine PVE im Sinnes des Gesetzes zu werden, aber nur dann, wenn eine gemeinsame Abrechnungseinheit geschaffen wird, d.h. dass alle Teilnehmenden ihren Einzelvertrag verlieren. Unter dieser Voraussetzung wird es aus unserer Sicht jedoch keine Netzwerke als PVEs im Sinne des Gesetzes geben. Wir hoffen, dass das Gesetz hier geändert wird. Außerdem würde eine solches Konstrukt einen hohen Verwaltungsaufwand und erhebliche Mehrkosten verursachen. Dieses Geld kann man wesentlich sinnvoller für die Versicherten verwenden, z.B. in dem uns ein Sozialarbeiter oder eine Wundschwester zur Verfügung gestellt werden, auf die wir bei Bedarf zugreifen können.“
Die Patienten richtig zu lenken und möglichst in der Region zu versorgen ist ein wichtiges Ziel des Gesundheitsnetzwerks: Die Fachärzte führen bei jedem Patientenkontakt eine Hausarzt abfrage durch und fragen den Patienten, ob er damit einverstanden ist, dass dieser einen Befund bekommt. Dies gilt auch für nicht überwiesene Patienten. „Im Gegensatz zu anderen Primärversorgungsprojekten sind die FachärztInnen bei uns ein integraler Bestandteil, weil sie für eine umfassende extramurale Versorgung der PatientInnen unbedingt notwendig sind, gerade in der Zusammenarbeit bei chronischen Erkrankungen wie z.B. Diabetes oder Herzinsuffzienz“, so Dr. Connert. „Um die Spitalsambulanzen wirklich entlasten zu können, müssen wir sicherstellen, dass die Patienten, die zum Facharzt gehören, dort auch zeitnah einen Termin bekommen."
Die Allgemeinmediziner wiederum verpflichten sich, ihre Öffnungszeiten untereinander abzustimmen und sich gegenseitig im Fall von Urlaub, Fortbildung oder Krankheit zu vertreten. Somit werden durchgängige Praxisöffnungszeiten über das gesamte Jahr koordiniert und gewährleistet. Des Weiteren sei vorgesehen, dass sich die Mitglieder im Netzwerk zur Förderung und Unterstützung der in Ausbildung stehenden jungen Kolleginnen und Kollegen verpflichten (z.B. Projekt SIA, wie med.ium bereits berichtete). Denn nur so könne auch der ärztliche Nachwuchs im ländlichen Raum zukünftig gewährleistet werden.
Dazu Dr. Connert: „Wir hoffen, dass die Kassenstellen in unserer Region durch das Netzwerk attraktiver werden und es dadurch leichter wird, Nachfolger zu finden. Bei uns wird man in Zukunft jedenfalls nicht als Einzelkämpfer, sondern als Teil eines großen regionalen Teams beginnen, sofern man das will.“
Auf die Frage hin, wie nun die nächsten Schritte im Gesundheitsnetzwerken seien, meint Obmann Dr. Florian Connert: „Salzburgmed. net stellt eine Plattform dar, auf Basis derer sich weitere Gesundheitsnetzwerke im Bundesland Salzburg entwickeln können. Gerne unterstützen wir interessierte Kolleginnen und Kollegen bei der Netzwerkgründung und stellen unser Know-how (Statuten, Logo, etc.) zur Verfügung. Auch an unsere Homepage könnten sich weitere Netzwerke anhängen. Sie soll als niederschwellige Informationsquelle für unsere Patienten dienen.“
Daneben werden weitere Kooperationen angedacht; andere Gesundheitsberufe sollen eingebunden werden, aber auch an Spitäler will man in Zukunft herantreten.
Die Ärztekammer kritisierte bereits in der Vergangenheit einige dem „Primärversorgungsgesetz“ anhaftenden Mängel. Die Weiterentwicklung in Richtung sinnvoller und effizienter Primärversorgungseinheiten wird durch viele dieser Mängel allerdings massiv unterlaufen; so dürfen zum Beispiel Ärzte keine anderen Ärzte anstellen. Außerdem müssten Ärzte laut besagtem Gesetz in Primärversorgungseinheiten ihre Kassenverträge aufgeben – ein Verlust an Autonomie und Sicherheit ist somit vorprogrammiert.
Obmann:
KassierIn:
SchriftführerIn: