Salzburg begrüßt hochkarätige Ärztinnen zum Weltfrauentag im März

2017 hat es erstmals eine Frau an die Spitze einer Landes-Ärztekammer geschafft: im März 2017 wurde Dr. Petra Preiss von der Kammervollversammlung als erste Frau in Österreich in diese Position gewählt.

Im März 2018 feiert sie ihren ersten Jahrestag als Präsidentin - Grund genug für das Salzburger Ärztinnenreferat, sie am 21.03.2018 nach Salzburg zum „Ärztinnen Get together“ einzuladen.

Ursprünglich aus Mödling stammend, studierte Preiss an der damaligen Universität Wien Medizin und promovierte dort 1986. Aufgrund des Mangels an Ausbildungsstellen entschloss sie sich – wie viele andere heute auch – ihr Glück in der Schweiz zu versuchen. Zwei Jahre lang war sie bei Forschungsprojekten im Bereich der Zellbiologie am Fachbereich der Anatomie an der Uni Zürich, wo sie mit ihrer Dissertation abschloss. Das Zellmaterial, das Preiss im Zuge ihrer Forschungstätigkeit aufarbeitete, stammte aus Südafrika. Da die dort im Labor tätigen österreichischen Kollegen zurück nach Wien wollten bot man Preiss diesen Job an. Die zielstrebige jetzige Landeskammer-Präsidentin wusste jedoch schon damals genau was sie wollte und verlangte im Gegenzug eine Ausbildungsstelle in Herzchirurgie, die sie schließlich auch erhielt. Vier Jahre Tätigkeit am Groote-Schuur-Hospital in Kapstadt schlugen sich auch in zahlreichen Publikationen nieder – etwa in „Surgery“ oder in „Annals of Thoracic Surgery“. 1992 dann die Rückkehr nach Österreich; zuerst zurück nach Wien und schließlich 1994 nach Klagenfurt, wo sie auch heute noch am Landeskrankenhaus im Bereich Herz- und Gefäßchirurgie tätig ist, schon seit Längerem als Oberärztin.

Bereits im Jahr 2017 traf die med.ium Redaktion die entschlossene Powerfrau Petra Preiss zum Interview.  

Med.ium: Was hat Sie dazu bewogen, Ärztin zu werden?

Dr. Petra Preiss: Ich kann mich eigentlich nicht mehr daran erinnern was mich dazu bewogen hat, aber ich wollte seit Kindergartenzeiten an Medizin studieren. Explizit wollte ich schon seit Jugendzeiten Chirurgin werden. Dieser Berufswunsch begleitete mich durch meine gesamte Ausbildung – ich wollte nie etwas anderes machen. Es ist ein wunderschöner, extrem befriedigender Beruf - besonders die Chirurgie. Man hat eine sehr gute Mischung aus Patientenbetreuung, die Befriedung der eigenen herausfordernden Tätigkeit, gepaart mit einer Verantwortung, die ich auch schätze. Auch die Nachbetreuung in einem Hochtechnikbereich wie der Herzchirurgie hat immer wieder seine intellektuellen Herausforderungen – es ist ein rundes Paket, das mir sehr gefällt.

Med.ium: Wie fühlt sich’s an, Österreichs erste Ärztekammerpräsidentin zu sein?

Ich kann nur dasselbe sagen, wie in allen anderen Interviews: Es war verdammt an der Zeit. Alleine, wenn man sich diese Zahlen (Anzahl der berufstätigen Ärztinnen in den verschiedenen Sparten, Anmerk. d. Redaktion) ansieht! Eine Nullquote war immer inakzeptabel, denn es gab schon seit dem frühen 20. Jahrhundert Ärztinnen. Der Anteil der Ärztinnen in den nachfolgenden Generationen liegt weit über 50% und in manchen Fachbereichen des Spektrums liegt der Frauenanteil ebenso bei über 50%. Da ist es einfach überfällig und längst an der Zeit, dass wir unsere Standpunkte einfach ebenso selbst vertreten.

Med.ium: Warum denken Sie zieht es dann so wenige Frauen in die Standespolitik?

Simpel und einfach: es ist eine Frage der Zeitressource. Ich hätte es auch vor 10 Jahren nicht machen können, weil ich damals noch kleinere Kinder hatte. In den letzten paar Wochen spielte es sich ungefähr so ab: ich habe einen Nachtdienst, eine Rufbereitschaft und an 2 Wochentagen Sitzungen bis 22:30 Uhr und zwar durchgehend. Nachdem ich aus der Arbeit komme gehe ich in die Kammer, von 15:00 Uhr beginnend. Das schafft man nicht mit kleinen Kindern, das ist unmöglich und ist einer Familie auch nicht zuzumuten. 

Med.ium: Sehen Sie das als Gender-Thematik oder eher als Generationen-Thematik?

Das ist schon auch eine Gender-Thematik, weil Frauen natürlich auch ihre Verantwortung Kindern gegenüber in einem anderen Ausmaß sehen. Gesellschaftlich wäre es ja völlig inakzeptabel, selbst wenn die Kinder bei einem Partner exzellent versorgt sind. Die Frau steht sich und ihrer Umgebung als Rabenmutter gegenüber, wenn sie an 3 Tagen am Abend erst nach 22:00 Uhr nach Hause kommt und zusätzlich noch Nachtdienste ausführen muss. Die meisten Männer, natürlich nicht alle, die sich entscheiden, diese Dinge anzugehen und solche politischen Jobs annehmen, treffen die bewusste Entscheidung „ich mache das und es ist notwendig“. Natürlich machen das jüngere Frauen einfach nicht, weil sie über diese Problematik einfach nicht drüber kommen. Es ist sicherlich ebenso eine Problematik der Generation, weil zunehmend auch junge Männer das nicht wollen. Das ist schön, aber man muss sich natürlich überlegen, was gesellschaftlich verändert werden muss, wenn die Zeitanforderungen mit dem beruflichen und privaten einfach nicht mehr miteinander einhergehen.

 

Die med.ium Redaktion dankt für das Interview und freut sich auf die Veranstaltung mit Dr. Petra Preiss am 21. März 2018 in Salzburg.