Primarärzte-Referat

Prim. Univ.-Prof. Dr. Gerd Rasp über seine Tätigkeiten als Primarärzte-Referent.

Die Tätigkeit umfasst die Veranstaltungen der Ärztekammer Salzburg und Österreich, die Präsenz im Verband der leitenden Krankenhausärzte und die Tätigkeit mit den Kurieren der Primarärzte. Ein sehr wesentlicher Aspekt ist die Veränderung im Berufsbild des Primararztes. Fluktuation, Mobilität und Berufsaufgabe zählen zu diesen wesentlichen Parametern. So haben Primarärzte ohne Not ihre Tätigkeit aufgegeben, es wird über flexible Ruhestandsregelungen nach vorne und hinten reflektiert und auch schon gehandelt.

Doppelprimariate haben den Weg aus dem Osten und Süden Österreichs auch nach Salzburg gefunden, hier wohl aber mit einer sehr aktiven Einbindung der betroffenen Kollegen.

Die Generationenthemen betreffen die Primarärzte ebenso wie die Arbeitszeithematiken, nur ist zum Teil naturgemäß die Latenz länger. Während in den nächsten Jahren eine Generation abtritt, für die Wochenarbeitszeiten weit jenseits der 70 Stunden nach oben im Rahmen ihrer Assistenz- und Facharztzeiten normal waren und die neben sehr vielen heutzutage erfreulicherweise nicht mehr vorhandenen Problemen doch eine sehr intensive Ausbildung und Erfahrung ermöglichten, so tritt mit der kommenden Generation eine gänzlich anders sozialisierte Gruppe von Ärztinnen und Ärzten in Führungspositionen an.

Im Kontext mit dem manifesten Ärztemangel und der jetzt schon zum Teil sehr überschaubaren Menge an qualifizierten und motivierten Bewerbungen in einigen Disziplinen werden da vor allem die Klinikträger vor erhebliche Probleme gestellt.

Die fortwährende Coronakrise macht vollkommen evident, dass die bisherige Entwicklung im Krankenhaussystem mit immer komplexeren und zum Teil hochgradig unnötigen Strukturen die Herausforderungen der Medizin und Gesellschaft nicht bewältigen kann. Kranke Menschen brauchen nun mal keine von wirtschaftlichen Maximen getragenen und von politisch Interessen gesteuerten Verwaltungsstrukturen, sondern Pflegende und Ärztinnen und Ärzte, die sie betreuen und begleiten. Selbstverständlich braucht es hierfür eine effiziente und intelligente Infrastruktur, nur verschob sich allzu oft die Werteskala in die falsche Richtung.

Der Blick auf in der jetzigen Pandemie erfolgreichen Länder macht klar, wo die jeweiligen Hauptaufgaben der Politik, der Medizin und der funktionierenden Strukturen eines Staates erfolgreich sind und so Leben retten, Leiden verhindern und wirtschaftliche Not verhindern.

Konkret ist im Land Salzburg im Bereich der Primarärzte ein Rückgang der Primariate erfolgt. Dies zum Teil durch Abschaffung der Einrichtung oder Zusammenfassung im Rahmen von Strukturänderungen. Der Anteil der Inhaberinnen von Primariaten ist weiterhin viel zu gering.

Besonders erfreulich ist die Besetzung eines Lehrstuhls einer staatlichen Universität durch einen Salzburger Primar und PMU-Ordinarius (Prof. Öfner-Velano).

War bis vor kurzem die Ruhestandsregelung für Primariate beim größten Klinikträger sehr stringent, so hat sich hier eine Flexibilisierung bereits ergeben; für niedergelassene Ärztinnen und Ärzte bereits länger Realität. Einer der Gründe war wohl auch der Eintritt von Mitarbeitenden mit Ansprüchen aus anderen Versorgungssystemen („Rente mit 67“ in Deutschland). Hier wurde mit großem Sicherheitsabstand eine Regelung fixiert. Im Bereich der Primarärzte gab es zwei Kündigungen, die öffentlich ein gewisses Echo fanden. In einem Fall handelte es sich um ein Fehlverhalten im Dienst, bei dem zweiten erst rezent stattgehabten Fall erfolgte die Kündigung nicht aus medizinischen oder disziplinarischen Gründen – und da eine außergerichtliche Einigung erfolgte, ist dies nicht weiter zu kommentieren. Die von einer Partei wohl angeführte „nicht gedeihliche Zusammenarbeit“ kann die Bedenken über höherrangige ökonomische Ziele nicht zerstreuen. Und dies wäre dann ein sehr fatales Signal für Ärztinnen und Ärzte auf dem Weg ihrer Karriere.

Jedenfalls kann resümiert werden, dass gerade in Zeiten der Pandemie qualifizierte ärztliche Führung in ihrer Bedeutung evident wird und Wissenschaft als der Königsweg zur Bewältigung von neuen Herausforderung alternativlos ist.


Dr. Gerd Rasp